Gesundheit

Klassische Präventions- oder Hilfsangebote werden bisher von russischsprachigen Jugendlichen und Erwachsenen kaum oder gar nicht in Anspruch genommen. Dies gilt grundsätzlich im Gesundheitsbereich.

Um die Zielgruppe bedarfsgerecht und nachhaltig zu erreichen müssen lokale und niedrigschwellige Angebote für Angehörige (Familienangehörige, Partner, Freunde) entwickelt, umgesetzt und kultursensible Multiplikatoren aus der russischsprachigen Community qualifiziert werden. Dafür setzt sich der BVRE und unsere Mitgliedsorganisationen ein: Zusatzangebote schaffen, die ergänzend zu den bestehenden Strukturen wirken und in diese hineinwirken, um so einen unterschiedslosen Zugang zu Präventions- und Gesundheitsdienstleistungen ermöglichen.

Suchtprävention

Gewalt oder der Konsum von legalen und illegalen Drogen inkl. Glücksspiel ist bei russischsprachigen Jugendlichen und Erwachsenen ebenso verbreitet wie unter Einheimischen. Viele der klassischen Präventions- oder Hilfsangebote werden aktuell jedoch aufgrund hoher Zugangsbarrieren von Russischsprachigen kaum oder gar nicht in Anspruch genommen. Diese Barrieren haben meist strukturellen Charakter und liegen zum Beispiel in Vorbehalten und fehlendem Hintergrundwissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Betroffenen.
Der Konsum von Suchtmitteln entsteht häufig als Reaktion auf stark belastende Lebensereignisse wie etwa der Migration. Jedoch ist der Informationsstand über Wirkungsweisen legaler und illegaler Suchtmittel sowie Glücksspiel vielfach noch unzureichend. Psychische Erkrankungen oder Abhängigkeiten werden von Betroffenen und Angehörigen häufig als moralisches und individuelles Versagen und nicht als Krankheit aufgrund langanhaltender Stress- und Belastungssituationen angesehen.

Wir als BVRE und unsere Mitgliederorganisationen setzen uns für bedarfsgerechte, lokale und niedrigschwellige Angebote für diese Zielgruppe ein. Durch die Entwicklung kultursensibler Lösungsansätze sollen Voraussetzungen geschaffen werden, um langfristig mit allen wichtigen Schnittstellenpartnern vor Ort im Bereich der Gesundheitsvorsorge, Bildung, Elternarbeit, Jugendarbeit, politischen Bildung und psychosozialen Hilfe zusammenzuarbeiten und so das lokale Hilfsangebot zu erweitern.

Demenz

Der Zugang und die Inanspruchnahme vorhandener Versorgungs- und Unterstützungsstrukturen im Falle von Hilfs- und Pflegebedürftigkeit sind für ältere Zuwanderinnen und Zuwanderer und deren Angehörige vielfach noch unzureichend und ausbaufähig. Besonders problematisch stellt sich die Versorgung von Zugewanderten mit einer Demenzerkrankung dar. Ihre besondere Situation und speziellen Bedürfnisse werden bislang noch nicht angemessen in der Versorgung und Behandlung berücksichtigt. Für viele Zugewanderte kann eine Behandlung häufig nur (noch) in der Muttersprache erfolgen, da erlernte Fremdsprachenkenntnisse krankheitsbedingt schnell verloren gehen. In Deutschland fehlen jedoch noch geeignete kultursensible und muttersprachliche Therapie-, Wohn- und Versorgungskonzepte, die auf die speziellen Bedürfnisse Kranker zugeschnitten sind. Diese Familien sind folglich häufig mit der Versorgung und Betreuung ihrer Angehörigen besonders belastet.

Um der Situation pflegebedürftiger und kranker Zugewanderter gerecht zu werden, müssen kultursensible Pflegeangebote entwickelt werden, die die spezifischen Bedürfnisse der jeweiligen Gruppe berücksichtigen – dafür setzen wir – der BVRE und unsere Mitgliederorganisationen – uns bundesweit ein.