5 Tipps für Eltern von Psychologin Dr. Lena
Der BVRE hat zwei Online-Veranstaltungen mit der Psychologin Dr. Lena Kornyeyeva organisiert. Lena kam vor mehr als 20 Jahren aus der Ukraine nach Deutschland. Sie war wissenschaftlich tätig und arbeitete in Kliniken sowie in gemeinnützigen Organisationen. In diesem Jahr erschien ihr Buch „Flügel wachsen lassen. Ein Ratgeber für Eltern, die ihre Kinder nicht abwerten“. Das Buch ist auf Russisch und Ukrainisch erhältlich.
Im Eltern-Club haben wir mit Lena über zwei Themen gesprochen, die viele Eltern beschäftigen: Mobbing und Pubertät. Wir veröffentlichen Ausschnitte aus den Aufzeichnungen der beiden Veranstaltungen. Die Fragen der Teilnehmenden und die anschließenden Gespräche wurden nicht aufgezeichnet, damit dieser persönliche Austausch vertraulich bleiben konnte.
Außerdem haben wir fünf Tipps von Dr. Lena zusammengestellt. So wird sie von ihren Patient*innen in Deutschland meist genannt, denen der Nachname Kornyeyeva nicht immer auf Anhieb leichtfällt.
- Seien Sie für Ihr Kind eine sichere Bezugsperson.
Eine sichere Bezugsperson ist jemand, bei dem sich ein Kind gehört, gesehen, verstanden, ernst genommen und respektiert fühlt. Besonders wichtig ist das in schwierigen Situationen. Ein Kind soll wissen, dass es sich jederzeit an seine Eltern wenden kann, wenn es Unterstützung braucht.
- Wenn Ihr Kind in der Pubertät Widerstand zeigt, hinterfragen Sie nicht nur sein Verhalten, sondern auch Ihr eigenes.
Hinter einem Streit muss nicht unbedingt die Ablehnung von Regeln oder Grenzen stecken. Manchmal ist der Widerstand eine Reaktion auf Druck oder Abwertung. Dabei nehmen Kinder nicht nur wahr, was Eltern sagen, sondern auch, in welchem Ton sie sprechen, welchen Gesichtsausdruck sie haben und wie sie ihnen insgesamt begegnen. Selbst eine vernünftige Forderung kann ganz unterschiedlich ankommen – je nachdem, wie sie formuliert wird. Grenzen zu setzen, Anforderungen zu stellen und auf Regeln zu bestehen, gehört weiterhin zur elterlichen Verantwortung. All das ist jedoch auch ohne Abwertung möglich.
- Geben Sie Ihrem Kind das Recht, anders zu sein.
Jugendliche brauchen eine eigene Stimme, persönliche Grenzen und die Möglichkeit, ihr Leben mitzugestalten. Genauso wichtig ist aber, dass Eltern ihre Andersartigkeit akzeptieren: das Recht, sich von ihnen, ihren Vorstellungen und dem Bild, wie ihr Kind sein sollte, zu unterscheiden.
Und Jugendliche müssen spüren, dass ihre Eltern ihnen zutrauen, Herausforderungen selbst zu bewältigen.
- Spielen Sie die Sorgen Ihres Kindes über Beziehungen zu Gleichaltrigen nicht herunter.
Mobbing ist mehr als ein gewöhnlicher Streit oder eine harmlose Auseinandersetzung unter Kindern. Betroffene Kinder können das Gefühl verlieren, zu einer Gruppe dazuzugehören, wertgeschätzt und respektvoll behandelt zu werden. Soziale Ausgrenzung kann sehr schmerzhaft sein. Der gut gemeinte Rat „Ignorier das einfach“ hilft deshalb nicht weiter.
- Wenn Sie sich als Eltern machtlos fühlen, erhöhen Sie nicht den Druck.
In der Pubertät verändern sich die Kräfteverhältnisse zwischen Eltern und Kindern. Eltern erleben dann möglicherweise, dass bisher bewährte Wege, Einfluss zu nehmen, nicht mehr funktionieren. Gerade in solchen Momenten ist die Versuchung groß, stärker zu kontrollieren und mehr Druck auszuüben. Doch das kann zu noch mehr Widerstand, Misstrauen und Entfremdung führen. Statt den Druck zu erhöhen, lohnt es sich, nach Wegen der Zusammenarbeit zu suchen.
Foto: Dmitrii Andreev