Bildung, Integration und gegenseitige Unterstützung: Januar in den BVRE-Organisationen
Im Januar 2026 setzten die Mitgliedsorganisationen des BVRE e.V. ihre Arbeit in ganz unterschiedlichen Bereichen fort – von humanitärer Hilfe und Unterstützung in Krisensituationen bis hin zu Bildung, Berufsorientierung und gesellschaftlicher Solidarität.
AVP – Akzeptanz, Vertrauen, Perspektive e.V. hat gemeinsam mit Partner*innen aus den USA im Rahmen des gemeinsamen Projekts United Help Ukraine Stromgeneratoren beschafft und eine erste Lieferung in die Ukraine geschickt. Die Hilfe kommt in einem kritischen Moment: Nach erneuten Angriffen auf die zivile Infrastruktur, unter anderem in Kyjiw, sind viele Menschen ohne Strom, Heizung und warmes Wasser. Gerade im Winter ermöglichen Generatoren Wärme, sichern den Betrieb von Krankenhäusern und helfen dabei, Strom- und Wasserversorgung dort aufrechtzuerhalten, wo sie dringend benötigt werden. Es handelt sich dabei um konkrete Unterstützung für Menschen in einer akuten Notlage.

Ausländerrat Dresden e.V. hat gemeinsam mit weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen in Sachsen ein Schreiben an die Landesregierung veröffentlicht und fordert darin den gleichberechtigten Zugang zur schulischen Bildung für alle Kinder. Hintergrund sind aktuelle Zahlen: Im November 2025 hatten in Sachsen 645 schulpflichtige Kinder und Jugendliche keinen Schulplatz, zuvor lag die Zahl bei über tausend. Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche mit Migrationsgeschichte. In dem Appell wird betont, dass das Recht auf Bildung unabhängig von Staatsangehörigkeit und Aufenthaltsstatus gelten muss und nicht durch monatelange Wartezeiten eingeschränkt werden darf. Die Initiative „Recht auf Schule für alle in Sachsen“ vereint die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Sachsen, den Kinderschutzbund Landesverband Sachsen, den Sächsischen Flüchtlingsrat und den Ausländerrat Dresden e.V.

Der Club Dialog setzt seine Beratungen zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse in Deutschland im Rahmen des Projekts „Fahrplan Anerkennung beruflicher Abschlüsse Plus II“ fort. Das Projekt ist bis 2028 angelegt und Teil des bundesweiten Programms „Integration durch Qualifizierung“. Angeboten werden Gruppenberatungen zur Anerkennung von im Ausland erworbenen Hochschul- und Berufsabschlüssen. Die Beratungen finden sowohl online als auch in Präsenz statt und richten sich an Menschen, die in Deutschland arbeiten möchten oder bereits berufstätig sind. Darüber hinaus arbeitet das Überregionale Kompetenzzentrum zur Anerkennung ukrainischer Berufsqualifikationen weiter. Ein Teil der Beratungen wird auf Ukrainisch durchgeführt, aktuelle Termine sind im Projektkalender zu finden.

WESNA e.V. organisierte einen Besuch von Frauen mit Migrationsgeschichte bei einem der größten und bekanntesten Unternehmen in Freiburg, der Haufe Group. Das Unternehmen entwickelt digitale Lösungen für Unternehmen und gilt als einer der Marktführer in diesem Bereich. Im Mittelpunkt des Treffens stand das Thema Arbeitsmarktintegration. Die Teilnehmerinnen erhielten Einblicke in moderne Arbeitsumgebungen, Unternehmenskultur und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten in Deutschland. Solche Besuche sind Teil des Projekts „Frauen Empowerment“ von WESNA, das Frauen bei ihrer Integration in Deutschland unterstützt.
Kolibri e.V. organisierte die Teilnahme von Jugendlichen mit Migrationsgeschichte an der größten Messe für Bildung, Ausbildung und Beruf in Sachsen, der KarriereStart 2026. Die Jugendlichen konnten sich informieren, Gespräche führen, an einem Training zur Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche teilnehmen und individuelle Beratungen erhalten.
Die Messe half ihnen dabei, besser zu verstehen, welche Berufe in Deutschland gefragt sind, welche Bildungswege offenstehen und wie sie ihre berufliche Zukunft planen können.
Im Januar hat bei Dialog – Respekt – Gemeinwohl Göttingen e.V. eine Gruppe älterer Menschen den Deutschunterricht wieder aufgenommen. Mehr als zwanzig Teilnehmende treffen sich regelmäßig und üben täglich online. Die Gruppe entstand vor einigen Jahren im Rahmen eines Projekts des Bundesverbandes russischsprachiger Eltern e.V. zur Unterstützung älterer Geflüchteter mit Förderung der Robert Bosch Stiftung. Obwohl das Projekt beendet ist, besteht der Bedarf an Austausch und Sprachpraxis weiterhin. Der Verein führt die Treffen derzeit aus eigenen Mitteln fort und sucht parallel nach Finanzierung, um dieses Angebot langfristig zu sichern.

Im Januar organisierten die Russischsprachigen Demokratinnen und Demokraten in Deutschland in Leipzig und Dresden Abende zum Schreiben von Briefen an politische Gefangene in Russland und Belarus. Dabei ging es um Menschen, die wegen ihrer politischen Haltung, ihres gesellschaftlichen Engagements oder friedlicher Aktivitäten verfolgt werden. Teilnehmende schrieben Briefe und unterzeichneten Postkarten, auch auf Deutsch. Diese Abende dienen dazu, Solidarität zu zeigen, sichtbar zu machen, dass die Betroffenen nicht vergessen sind, und Aufmerksamkeit für Menschenrechtsverletzungen zu schaffen. Einer der Abende fand in Zusammenarbeit mit Amnesty International statt.

Auf Initiative von Quarteera e.V. und zwei Müttern wurde die Gruppe „Offene Eltern“ gegründet. Sie richtet sich an Familien mit lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans*, inter* oder queeren Kindern, die in Deutschland leben und Russisch sprechen. Die Gruppe bietet gegenseitige Beratung, professionelle Unterstützung, Zugang zu Informationen und ein unterstützendes Umfeld. Die Treffen finden online statt und stehen sowohl Eltern als auch queeren Personen offen. Obwohl die Gruppe erst Ende 2025 gestartet ist, nehmen bereits Menschen aus Bayern, Berlin, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen teil.
Bei RODNIK e.V. in Fulda läuft das kreative Projekt „Dankbarkeit in Farben“. Die kostenlosen Malkurse sind offen für alle, derzeit nehmen vor allem Frauen teil, die nach Beginn des großangelegten russischen Angriffs auf die Ukraine nach Deutschland gekommen sind. Unter der Leitung des Künstlers Vadym Koltun erarbeiten die Teilnehmerinnen Grundlagen des akademischen Zeichnens und der Malerei, darunter Komposition, Proportionen, Perspektive sowie die Arbeit mit Linie und Form. Im vergangenen Jahr organisierten die Teilnehmerinnen eine Ausstellung ihrer Werke, in denen sie ihre Dankbarkeit für die Aufnahme in Deutschland ausdrückten.
Goluboy Wagon e.V. führte einen Abend in einem neuen experimentellen Format durch — DRAGQUIZ, bei dem Spiel, Performance und Interaktion mit dem Publikum zu einem stimmigen Ganzen wurden. Das Format zeigte, dass ein Quiz nicht nur ein Wettbewerb sein muss und eine Drag-Show nicht bloß Unterhaltung ist, sondern auch eine Form der Interaktion und des Dialogs mit dem Publikum sein kann. Die Moderatorinnen Susanna Schwanz und Agrafena Sawolschskaja gaben dem Abend den Rhythmus, in dem sich die Teilnehmenden als Teil des gemeinsamen Geschehens und nicht nur als Zuschauende fühlten.
Die Leiterin der Ballett- und Tanzgruppen „Arabesk“ bei Brücken e.V. (Erlangen), Katerina Wagner, gewann den Titel Mrs Deutschland 2026. Seit zehn Jahren arbeitet sie in dem Verein mit Mädchen und Jungen, die Tanz und Ballett lieben. In ihrem Unterricht fördert sie Haltung, Koordination, Musikalität und Selbstvertrauen mit viel Aufmerksamkeit, Geduld und pädagogischer Wärme. Die Jury des Wettbewerbs würdigte nicht nur ihre äußere Erscheinung, sondern auch ihre Disziplin, ihre Ausstrahlung und ihre Fähigkeit, andere zu motivieren und zu inspirieren. Das Foto von @photovados (Instagram)

Bilder: Club Dialog e.V., RDD e.V., DRG Göttingen e.V., Kolibri e.V., RODNIK e.V., Brücken e.V., Quarteera e.V., WESNA e.V., AVP e.V., Goluboy Wagon e.V.