Der Mai 2026 in den BVRE-Mitgliedsorganisationen

Olga Groznaya · 

Im Mai nahmen die BVRE-Mitgliedsorganisationen an internationalen wissenschaftlichen Konferenzen und Stadtfesten teil, drehten Filme und starteten neue Projekte, unterstützten Frauen in schwierigen Situationen, vermittelten Wissen zur Vereinsgründung, feierten Jubiläen und kamen bei gemeinsamen Ausflügen zusammen. Über diese und weitere Ereignisse berichten wir in unserem Mai-Digest.

Ausländerrat Dresden e.V. startete das Projekt RISE – ein kostenloses und vertrauliches Unterstützungsangebot für Frauen mit Migrations- und Fluchterfahrung, die Gewalt erleben. Das Projekt hilft dabei, rechtliche Möglichkeiten, Fragen des Kinderschutzes, die wirtschaftliche Situation und den Umgang mit Behörden zu klären. Außerdem begleitet es Frauen zur Polizei, zu medizinischen Einrichtungen und zu Schutzstellen. Beratungen werden auf Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch und Armenisch angeboten, für weitere Sprachen können Dolmetscher*innen hinzugezogen werden.

Das Projekt wird mit Unterstützung der EU im Rahmen des Programms „Citizens, Equality, Rights and Values“ gemeinsam mit dem Sächsischen Flüchtlingsrat e.V. und der Fundación Red Incola umgesetzt.

Solidarus e.V. in Berlin hat gemeinsam mit Partner*innen eine Reihe von Online-Beratungen zum Migrationsrecht gestartet. Ab dem 12. Juni treten in Deutschland umfangreiche Änderungen im Asylsystem im Rahmen der europäischen GEAS-Reform in Kraft – darunter neue Grenzverfahren, strengere Regeln zur Sekundärmigration, eine Erweiterung der Liste sicherer Herkunftsstaaten und beschleunigte Abschiebungen. Das löst viele Fragen und Sorgen aus, besonders bei Menschen, die sich bereits im Verfahren befinden oder einen Asylantrag planen. Der Leiter von Solidarus e.V., Alexey Kozlov, und die Reforum-Help-Expertin Maria haben bereits das erste Webinar durchgeführt und planen, die Reihe fortzusetzen.

Das Integration-Kulturzentrum im Kreis Mettmann e.V. organisierte eine Bildungsreise für Jugendliche nach Tschechien. Die Teilnehmenden besuchten die Gedenkstätte Theresienstadt – einen Ort, den die Nationalsozialisten als Vorzeigeghetto für Propagandazwecke nutzten, während die Menschen dort in Wirklichkeit unter katastrophalen Bedingungen lebten und in Vernichtungslager deportiert wurden. Die Führung dauerte fast fünf Stunden. In Prag beschäftigten sich die Jugendlichen außerdem mit dem Leben und Werk von Franz Kafka, der in dieser Stadt geboren wurde und aufwuchs. Solche Reisen machen Geschichte nicht nur aus dem Lehrbuch, sondern vor Ort erfahrbar.

AVP e.V. (Akzeptanz, Vertrauen, Perspektive e.V.) empfing in Düsseldorf Thomas Jarzombek – CDU-Bundestagsabgeordneten aus Düsseldorf und Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung. Junge Teilnehmende stellten dem Politiker ihre Fragen und diskutierten Themen, die sie beschäftigen: steigende Preise, Wehrpflicht, Digitalisierung, Renten und soziale Gerechtigkeit. Für viele junge Menschen mit Migrationsgeschichte war es das erste Gespräch dieser Art mit einem Bundespolitiker.

Club Dialog e.V. führte in Berlin ein praxisorientiertes Seminar zur Gründung eines Vereins in Deutschland durch. Für viele Menschen mit Migrationsgeschichte ist ein eigener Verein eine konkrete Möglichkeit, das Leben der Community mitzugestalten. Gleichzeitig schrecken bürokratische Schritte oft schon am Anfang ab. Die Leiterin von Club Dialog, Natalia Roesler, begleitete die Teilnehmenden durch den gesamten Prozess: von der Wahl der Rechtsform und der Satzung bis zur Registrierung und Anerkennung der Gemeinnützigkeit. Auch Finanzverwaltung, typische Fehler beim Start und Öffentlichkeitsarbeit wurden besprochen.

Quarteera e.V. beteiligte sich am Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit gleich an zwei Solidaritätsaktionen: am Regenbogen-Flashmob in Hamburg und an der IDAHOBIT-Aktion in München. In Hamburg versammelten sich die Teilnehmenden vor dem Rathaus und bildeten gemeinsam eine große Regenbogenfigur – als Zeichen für Unterstützung, Sichtbarkeit und Schutz vor Diskriminierung. In München fand die Aktion am Sendlinger Tor unter dem Motto „The Power of Communities“ statt. Dort ging es um gleiche Rechte, Akzeptanz und die Kraft der Community.

Für Quarteera e.V. ist dieses Thema besonders wichtig: Der Verein unterstützt LSBTIQ*-Geflüchtete und Migrant*innen aus Osteuropa, Zentralasien und dem Kaukasus und macht auf Mehrfachdiskriminierung aufmerksam, die Menschen in der Migration erleben. Bild: LVSD

Norddeutscher Koordinierungsrat der russischsprachigen Bürger e.V. war auf der internationalen wissenschaftlichen Konferenz „Literatur und Macht in Polen und Russland“ an der Universität Warschau vertreten. Die jährliche Tagung untersucht die Beziehungen zwischen Literatur, Sprache und Macht im polnischen und russischen Kontext. Der Leiter des Vereins, Wladimir Papkow, hielt einen Vortrag über russischsprachige Europäer*innen – darüber, wie sich ihre Rolle in der europäischen Gesellschaft verändert und warum ihre Stimme wichtig ist. Die Konferenzbeiträge werden in einer internationalen wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht.

Kinder- und Elternzentrum „Kolibri“ e.V. in Dresden präsentierte vier Kurzfilme: „Zwischen“, „Unsere Kraft“, „Quelle“ und „Stereotype“. Die Autorinnen der Filme sind Frauen mit Migrations- und Fluchterfahrung, Teilnehmerinnen des Projekts „NurMut – sei mutig, sprich offen“. Sie lernten den Umgang mit der Kamera und drehten Filme über sich selbst: über Identität, Stärke und Stereotype. Die Vorführung in der Villa der Kulturen bildete den Abschluss der ersten Projektphase. Das Projekt wird mit Unterstützung des Freistaates Sachsen umgesetzt.

Familienzentrum „Integration, Bildung, Sozial, Kultur“ e.V. (DRZ IBSK e.V.) in Gießen feierte sein 20-jähriges Bestehen. In zwei Jahrzehnten ist der Verein zu einem lebendigen Raum für Familien geworden – mit Bildungsangeboten für Kinder und Erwachsene, kulturellen Veranstaltungen und Unterstützung für Menschen mit Migrationsgeschichte. Das Jubiläum wurde mit einem Konzert und Glückwünschen von Partner*innen und Freund*innen gefeiert.

Integrations-Kultur und Bildungszentrum Planeta e.V. veranstaltete in Frankfurt am Main das Muttertagsfest „Mama: Mission Liebe“. Mehr als 200 Menschen kamen zusammen – Kinder und Jugendliche aus dem Zentrum, ihre Eltern und Gäste. Am Eingang des Saals erwartete die Besucher*innen eine Fotowand, die Kinder selbst im Designstudio des Zentrums gestaltet hatten. Auf der Bühne standen die Tanzgruppe „Ritm“ und das Theaterstudio „Planeta Masok“ aus Hanau und Frankfurt am Main. Der Saal reagierte mit großem Applaus. Das Fest zeigte, wie viele Talente bei Planeta gefördert werden.

Fantasy e.V. aus Wuppertal erlebte im Mai Auftritte auf großer Bühne. Die Tanzgruppe LelyaDance und das Gesangsstudio ProVoice traten beim 38. jährlichen Festival Barmen Live auf. Bereits in der darauffolgenden Woche nahm LelyaDance an der internationalen Tanzmeisterschaft Dance Diamonds unter der Schirmherrschaft der UNESCO in Emmerich am Rhein teil und erreichte in mehreren Kategorien Platzierungen. Für die Kindergruppe aus Wuppertal ist das ein beachtlicher Erfolg auf internationaler Ebene.

Mitglieder und Freund*innen von RODNIK e.V. besuchten im Rahmen des Projekts „Kunst verbindet Familien“ die Stadt Hünfeld. Die Teilnehmenden besichtigten das Konrad-Zuse-Museum und eine Ausstellung zur Geschichte der Wolgadeutschen – zu den Schicksalen von Menschen, die in den schwersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zwischen zwei Ländern standen.

Die Führung übernahm Anna Neubauer, Autorin der Ausstellung. Neben der Ausstellung bot die Reise auch Gelegenheit zum Austausch, zum Teilen von Eindrücken und zum gemeinsamen Kennenlernen der Geschichte der Stadt und der Region. Warme Atmosphäre und die Gespräche nach dem Museumsbesuch blieben vielleicht ebenso in Erinnerung wie die Ausstellung selbst.

KREAKTIV e.V. aus Hanau beteiligte sich am Europatag gleich an zwei städtischen Veranstaltungen. Beim Festival „Fest der Freundschaft“ zeigte der Verein kreative Arbeiten seiner Kinder und bot Henna-Malerei für alle Interessierten an. Auch der Bürgermeister der Stadt schloss sich dem Fest an und ließ gemeinsam mit den Kindern Seifenblasen steigen.

Am selben Tag präsentierte KREAKTIV e.V. seine Arbeiten auch auf einem Festival ukrainischer Musik.

Günter-Feldmann-Zentrum e.V. aus Frankfurt am Main organisierte einen gemeinsamen Ausflug für Mitarbeitende, Kursteilnehmende, Ehrenamtliche und Freund*innen des Vereins. Fast 90 Menschen unterschiedlichen Alters und mit ganz verschiedenen Lebenserfahrungen kamen im Luisenpark zusammen, grillten, unterhielten sich und verbrachten einfach Zeit miteinander. Für eine Organisation, die auf menschlichen Beziehungen aufbaut, sind solche Momente nicht weniger wichtig als die tägliche Arbeit.

Fotos:: Ausländerrat Dresden e.V., Solidarus e.V., Integration-Kulturzentrum im Kreis Mettmann e.V., AVP e.V., Club Dialog e.V., Quarteera e.V., Norddeutscher Koordinierungsrat e.V., Kolibri e.V., DRZ IBSK e.V., Planeta e.V., Fantasy e.V., RODNIK e.V., KREAKTIV e.V., Günter-Feldmann-Zentrum e.V.