Konflikte verstehen und Dialog stärken: Seminar für Multiplikator*innen in Hessen

Redakteurin · 

„Zeichnen Sie ein ideales Land, überlegen Sie, über welche Ressourcen es verfügt und welche Werte für seine Bewohner wichtig sind“ – mit dieser Aufgabe beginnt der Experte für Spielmethoden Alexej Boris (Inside Out e.V.) die Simulation. Die Teilnehmenden steigen motiviert in den Prozess ein – noch ohne zu ahnen, dass sich der Raum bereits nach einer halben Stunde in ein Feld intensiver Auseinandersetzungen verwandeln wird.

Das Rollenspiel „Konflikte in einer demokratischen Gesellschaft“ war Teil eines zweitägigen Seminars, organisiert von Rodnik e.V. mit Unterstützung von djo Hessen in Kooperation mit dem Bundesverband russischsprachiger Eltern e.V. Ziel des Seminars war es, Multiplikator*innen aus Migrant*innenorganisationen mit praktischen Methoden im Umgang mit Konflikten und zur Förderung des Dialogs vertraut zu machen.

Im Rollenspiel sehen sich die Teams – als „Länder“ – mit Migration sowie politischen und wirtschaftlichen Krisen konfrontiert. Sie versuchen, ihre Positionen zu erklären und gemeinsame Lösungen zu finden – was nicht immer gelingt. In der anschließenden Reflexion stellen die Teilnehmenden fest, wie schnell selbst in einer simulierten Situation Spannungen, Missverständnisse und der Wunsch entstehen, ausschließlich die eigene Position zu verteidigen.

„Es war zwar ein Spiel, aber irgendwann merkt man, dass es im echten Leben ganz ähnlich läuft: Menschen hören einander nicht mehr zu“, sagt Dmitrii Potevskoi.

„Zu Beginn haben wir über Werte gesprochen, die uns wichtig sind, darüber, was wir an Deutschland schätzen – zum Beispiel die Meinungsfreiheit. Doch während der Konflikte im Spiel haben wir das vergessen. Das gibt zu denken“, sagt Anastasiia Nikulina

Das Thema Konflikte in einer demokratischen Gesellschaft wurde im zweiten Teil des Seminars vertieft. Der Bundesverband russischsprachiger Eltern e.V. stellte das Modul „Konfliktlösung“ vor, das Teil des Methodenkoffers BVRE ist und speziell für Migrant*innenorganisationen entwickelt wurde. Es basiert auf praxisnahen Übungen, die typische Situationen aus Teamarbeit, Vereinsleben oder Community-Kontexten aufgreifen.

Die Teilnehmenden analysierten nicht nur Konfliktszenarien, sondern entwickelten auch Lösungsansätze, indem sie selbst in die Rolle von Moderator*innen schlüpften. Dieses Format ermöglichte es, Konflikte sowohl aus der Perspektive Beteiligter als auch aus der Sicht einer moderierenden Person zu betrachten, die den Dialog wieder in konstruktive Bahnen lenkt.

Eine weitere Einheit des Seminars widmete sich dem Thema Künstliche Intelligenz als Kommunikationsinstrument. Sie wurde von Anatolii Buzinskii (Hi, AI! – Telegram-Kanal über Künstliche Intelligenz) geleitet. Die Teilnehmenden diskutierten aktuelle KI-Tools, deren Einsatzmöglichkeiten in der Arbeit mit Gruppen und Communitys sowie die Grenzen dieser Technologien – insbesondere sogenannte „Halluzinationen“, bei denen KI fehlerhafte Informationen generiert. Den Abschluss bildete eine praktische Gruppenarbeit mit KI-Tools.

Die Veranstaltung wurde im Rahmen des Projekts „Kooperationsverbund für Vielfalt und Zusammenhalt: Chancengerechtigkeit in der pluralen Gesellschaft“ des Bundesprogramms Demokratie leben! durchgeführt.