Wie in Magdeburg aus Ideen konkrete Projekte wurden

Olga Groznaya · 

In Magdeburg fand das erste Modul des Pilotprojekts „Kommunal Aktiv“ statt. Im Mittelpunkt des Seminars „Kommunal Aktiv: Kommune verstehen und Vorhaben entwickeln“, an dem Engagierte aus verschiedenen Bundesländern teilnahmen, stand die Entwicklung eigener lokalen Vorhaben.

Zu Beginn des Seminars ging es um die Themen, die die Teilnehmenden in ihren Kommunen besonders beschäftigen. Die Gruppe aus Düsseldorf möchte jungen Menschen zeigen, wie Kommunalpolitik funktioniert. Geplant sind Besuche in städtischen Einrichtungen sowie kurze Videos für soziale Medien, damit kommunale Entscheidungen greifbarer werden und nicht mehr als etwas Fernes und Abstraktes erscheinen.

Die Teilnehmenden aus Troisdorf sehen eine andere Herausforderung: Viele junge Menschen leben nach Flucht und Migration unter dauerhaftem Stress, während ihre Familien oft nicht wissen, an wen sie sich wenden können, wenn Suchtprobleme entstehen. Deshalb möchten sie Informationsveranstaltungen organisieren, die das Präventionssystem in Deutschland erklären und zeigen, wo Betroffene und ihre Angehörigen Unterstützung finden können.

Im Seminar wurden alle Projektideen gemeinsam auf ihre Umsetzbarkeit geprüft. Die Teilnehmenden stellten einander Fragen, suchten nach möglichen Kooperationspartnern und überlegten gemeinsam, wie sich die Vorhaben realisieren lassen. Manche Ideen wurden konkreter, andere entwickelten sich weiter, weil neue Kontakte oder bislang unbekannte Organisationen ins Spiel kamen.

Ein weiterer Schwerpunkt war die kommunale Politik. Michael Rubin aus Frankfurt am Main erklärte, wie Vorschläge von Bürgerinnen und Bürgern ihren Weg in die kommunalen Entscheidungsstrukturen finden, wer darüber entscheidet und welche Möglichkeiten Menschen haben, die sich bisher noch nie kommunalpolitisch engagiert haben.

Über die politische Partizipation von Menschen mit postsowjetischer Migrationsgeschichte sprach die Politikwissenschaftlerin Dr. Kseniya Dziatlouskaya, die das Pilotprojekt künftig wissenschaftlich begleiten wird. Sie erläuterte, dass politische Prägungen und Erfahrungen aus den Herkunftsländern zwar Einfluss auf das Verhältnis zu Staat und Politik haben können, gleichzeitig aber ein großes demokratisches Potenzial vorhanden ist:

„Gleichzeitig gibt es unter postsowjetischen Migrant*innen eine starke Demokratieorientierung und politisches Interesse. Ein zentraler Ansatz ist es, neue politische Erfahrungen zu ermöglichen und Hindernisse der politischen Teilhabe praxisnah abzubauen.“

Gerade deshalb spielen Vereine und Netzwerke eine wichtige Rolle. Sie kennen die Menschen und die Situation vor Ort, genießen Vertrauen in den Communitys und können Brücken zwischen Bürgerinnen und Bürgern sowie den kommunalen Strukturen bauen. Genau hier setzt auch das Pilotprojekt „Kommunal Aktiv“ an: Es unterstützt Menschen dabei, ihre Ideen weiterzuentwickeln und den Weg in die kommunale Praxis zu finden.

Ein Teil des Seminars fand nicht im Veranstaltungsraum, sondern im Zentrum von Magdeburg statt. Während eines gemeinsamen Stadtrundgangs beobachteten die Teilnehmenden, wie öffentlicher Raum gestaltet wird und an welchen Stellen sichtbar wird, dass Bürgerinnen und Bürger ihre Stadt aktiv mitgestalten.

Das Projekt „Kommunal aktiv“ wird im Rahmen des Förderprogramms „Integrationspolitische Maßnahmen“ durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration sowie die Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus gefördert.