Auszeichnungen, Erinnerung und Kreativität: Oktober im BVRE-Netzwerk
Im Oktober feierten die Mitgliedsorganisationen des BVRE e.V. Erfolge ihrer Projekte, veranstalteten Begegnungen und Foren, beschäftigten sich mit Geschichte und erinnerten an die Opfer politischer Repressionen. Außerdem organisierten sie Herbstferiencamps für Kinder, kreative Workshops, Konzerte und Treffen, bei denen Menschen nicht nur neue Kontakte knüpfen, sondern auch über sehr persönliche Themen sprechen konnten.
Ausländerrat Dresden e.V. gewann mit dem Projekt Fem*Lab den Publikumspreis des SINN Innovationspreises 2026 in der Kategorie „Soziale Initiativen & gemeinnützige Projekte“. Mit dem Preis werden innovative Projekte aus Sachsen ausgezeichnet, die neue Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen entwickeln. Die Preisverleihung fand am 27. Oktober in Leipzig statt.
Fem*Lab ist Sachsens einziger Coworking-Space speziell für Frauen* mit Flucht- und Migrationserfahrungen. Hier erhalten sie Unterstützung bei der Arbeitssuche, erweitern ihre digitalen Kompetenzen, tauschen Erfahrungen aus und unterstützen sich gegenseitig. Das Projekt verbindet gemeinsames Arbeiten, Bildungsangebote und Mentoring und eröffnet den Frauen neue berufliche Perspektiven in Deutschland.
WESNA e.V. aus Freiburg veranstaltete das fünfte Integrationsforum Integration mit Inspiration 5.0 unter dem Motto „Wurzeln bewahren – Flügel entfalten“. Mehr als 40 Gäste nahmen daran teil.
Auf dem Programm standen sieben Workshops zu Themen der persönlichen und beruflichen Entwicklung. Teilnehmerinnen des WESNA-Clubs erzählten ihre persönlichen Erfolgsgeschichten, berichteten über ihren Weg in Deutschland, über Herausforderungen und darüber, welche Rolle die Unterstützung durch die WESNA-Gemeinschaft in ihrem Leben gespielt hat. Junge Menschen gestalteten das musikalische und kreative Programm mit. Zum Abschluss wurde getanzt, gemeinsam gegessen und in entspannter Atmosphäre miteinander gesprochen.
Das Günter-Feldmann-Zentrum e.V. aus Frankfurt am Main organisierte einen Ausflug nach Friedberg, bei dem die Teilnehmenden fast 800 Jahre jüdische Stadtgeschichte kennenlernten.
Bei einer Stadtführung erkundeten sie das ehemalige jüdische Viertel, besichtigten die mittelalterliche Mikwe – ein rituelles jüdisches Bad –, den früheren Synagogenplatz und den alten jüdischen Friedhof. Dabei erfuhren sie nicht nur von Verfolgung und den tragischen Kapiteln der Geschichte, sondern auch vom jüdischen Alltag in Friedberg, von der Beteiligung jüdischer Bürger*innen am Stadtleben und vom jahrhundertelangen Zusammenleben von Juden und Christen.
Für das Günter-Feldmann-Zentrum, das seit vielen Jahren unter anderem mit jüdischen Zuwander*innen aus der ehemaligen Sowjetunion arbeitet, ist dieses Thema von besonderer Bedeutung. Für viele Teilnehmende bot der Ausflug die Gelegenheit, mehr über jüdisches Leben in Deutschland und dessen Verbindung zur eigenen Familiengeschichte zu erfahren.
Am 29. Oktober beteiligten sich Mitgliedsorganisationen des BVRE an der internationalen Gedenkaktion „Rückgabe der Namen“, die traditionell am Vorabend des Gedenktages für die Opfer politischer Repressionen stattfindet. Menschen kommen auf öffentlichen Plätzen zusammen und lesen die Namen der Opfer vor. In diesem Jahr fand die Aktion in 15 deutschen Städten und insgesamt 101 Städten weltweit statt.

In Nürnberg wurde sie von Allianz für ein freiheitlich-demokratisches Russland e.V., der SinN-Stiftung Nürnberg und Mirnaja Rossija („Friedliches Russland“) organisiert. Die Teilnehmenden verlasen die Namen von Menschen, die erschossen, in die Lager des Gulags verschleppt oder deportiert worden waren. Historischen Schätzungen zufolge waren mehr als elf Millionen Menschen von den Repressionen betroffen. Passant*innen konnten einen Zettel mit Namen nehmen und selbst einen davon vorlesen oder an verfolgte Angehörige ihrer eigenen Familie erinnern.
In Berlin fand die Gedenkaktion auf dem Steinplatz am Gedenkstein für die Opfer des Stalinismus statt. Organisiert wurde sie von MEMORIAL Deutschland, Zukunft MEMORIAL und Demokrati-JA e.V. Letztere präsentierte eine Ausstellung über heutige politische Gefangene in Russland und verlas die Namen und Lebensgeschichten von Menschen, die während Putins Herrschaft in russischen Gefängnissen, Untersuchungshaftanstalten und Strafkolonien starben – infolge von Krankheiten, fehlender medizinischer Versorgung oder Folter. Unter ihnen waren zahlreiche Ukrainer*innen, russische Antikriegsaktivist*innen und Menschen, die die Regierung kritisiert hatten. Die Verstorbenen waren zwischen 17 und 80 Jahre alt.

Die Organisator*innen in beiden Städten betonen: Politische Repressionen gehören nicht nur der Vergangenheit an. Die Erinnerung an ihre Opfer hilft, Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Freiheit für alle zu verteidigen. Aufzeichnungen der Namenslesungen aus aller Welt sind auf october29.live zu sehen.
Dialog – Respekt – Gemeinwohl Göttingen e.V. organisierte in den Herbstferien drei Feriencamps für Kinder. Einer der Höhepunkte war ein Ausflug nach Weimar.
Darauf bereiteten sich die Kinder schon im Voraus vor: Im Kunstunterricht lernten sie das Bauhaus mit seinen charakteristischen Formen und Farben kennen und gestalteten Collagen im Bauhaus-Stil. Nach ihrer Rückkehr griffen sie erneut zu Papier, Schere und Kleber, um ihre Reiseeindrücke in weiteren Collagen festzuhalten. Die Herbstferien boten viel Abwechslung: Die Kinder konnten kreativ sein, neue Freundschaften schließen und eine der bedeutendsten Kulturstädte Deutschlands kennenlernen.

Erfolg e.V. Köln veranstaltete in Köln einen Kreativworkshop, den Angelina Ivanika vom Kultur- und Bildungszentrum Fantasy e.V. aus Wuppertal leitete. Das Treffen war ein gutes Beispiel dafür, wie die Mitgliedsorganisationen des BVRE zusammenarbeiten und Ideen und Erfahrungen austauschen.
Die Teilnehmenden gestalteten Bilder auf Leinwänden aus Stoff, Spitze und Sackleinen – mit Häusern, Hügeln und Bäumen. Das Thema „Zuhause“ war bewusst gewählt: Der Workshop richtete sich an Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten. Die Teilnehmenden waren so begeistert von der kreativen Arbeit, dass zahlreiche ganz unterschiedliche Bilder entstanden.

Das Kinder- und Elternzentrum „Kolibri“ e.V. veranstaltete in der Dresdner Villa der Kulturen ein Fest der Sprachen und Musik. An diesem Tag erklangen Lieder in verschiedenen Sprachen – von Georgisch und Ukrainisch bis Polnisch und Italienisch. Die Gäste erlebten indische Tänze, hörten ein Gedicht des persischen Dichters Hafis auf Dari und erlebten Auftritte eines Kinderchors und von Musiker*innen. Bei den balkanischen Kolo-Tänzen tanzte schließlich auch das Publikum mit.
Außerdem gab es ein Quiz über die Sprachen der Welt, bei dem die Teilnehmenden viel Überraschendes erfuhren. Wussten Sie zum Beispiel, dass die Wörter „Tomate“ und „Schokolade“ aus der Sprache der Azteken stammen? So boten Musik, Tanz und die Sprachen verschiedener Länder die Gelegenheit, nicht nur andere Kulturen kennenzulernen, sondern auch Gemeinsamkeiten zu entdecken.
Brücken e.V. aus Erlangen beteiligte sich am Stadtfest „Platz der Vereine – Straße des Ehrenamts“, bei dem die kulturelle Vielfalt und ehrenamtliches Engagement im Mittelpunkt standen.
Für die Musikgruppe Brücken war dieser Tag etwas Besonderes: Die jungen Musiker*innen standen zum ersten Mal vor Publikum auf der Bühne. Das Ensemble wurde im Juni 2026 bei Brücken e.V. mit Unterstützung des Lions Club Erlangen gegründet. Seitdem kommen dort Kinder und Jugendliche mit Migrationsgeschichte, darunter auch erst vor Kurzem nach Deutschland gekommene Kinder, wöchentlich zu gemeinsamen Proben zusammen. Auch die jungen Balletttänzerinnen des Tanzensembles Arabesque traten mit einem herbstlichen Tanz auf.
Am Informationsstand von Brücken e.V. konnten sich die Besucher*innen über Projekte und Angebote des Vereins informieren, Fragen stellen und mit den Vereinsvertreter*innen ins Gespräch kommen.
Goluboy Wagon e.V., ein Verein aus Frankfurt am Main, der die russischsprachige LGBTQ+-Community unterstützt, veranstaltete ein ungewöhnliches Treffen: einen Pyjama-Abend. Das neue Format hatte eine der ehrenamtlich Engagierten des Vereins entwickelt und organisiert.
Fast zwanzig Menschen kamen im Pyjama zusammen, bei Kerzenschein und mit kleinen Leckereien, um sich auszutauschen und ein Kartenspiel zu spielen. Einfache, philosophische und persönliche Fragen wechselten sich mit lustigen Aufgaben ab. Das Wertvollste an diesem Abend war jedoch die vertrauensvolle Atmosphäre: Menschen, die sich zuvor kaum kannten, erzählten sehr persönliche Geschichten und fanden schnell einen Zugang zueinander.
Fotos: Ausländerrat Dresden e.V., WESNA e.V. (Kirill Korolyov), Günter-Feldmann-Zentrum, Allianz für ein freiheitlich-demokratisches Russland e.V., Demokrati-JA e.V., DRG Göttingen, Erfolg e.V., Kolibri e.V., Brücken e.V., Goluboy Wagon e.V.